ECCErlanger Campingclub e.V. im ADAC

Ausfahrten 2026

Führung durch den Atombunker in der Krebsgasse in Nürnberg

Am 28.1.2026 trafen sich um 11.00 Uhr insgesamt 16 Mitglieder und Gäste des Erlanger Campingclubs in der Krebsgasse 10 in Nürnberg. Auf dem Besichtigungsprogramm stand an diesem Tag der Besuch und die Führung durch den sogenannten Atombunker. Angeboten und durchgeführt wurde diese Führung (wie auch die letzte durch den Kunstbunker) wieder vom „Förderverein der Nürnberger Felsengänge e. V.“ Bunker sind ein Teil der Stadtgeschichte, der häufig vergessen wird: Die Bunker, in denen ein Teil der Nürnberger Bevölkerung im Falle eines nuklearen Schlagabtauschs zwischen den NATO-Staaten und dem Warschauer Pakt Zuflucht finden sollte. Eine dieser Anlagen liegt mitten in der Innenstadt. Der ABC-Bunker in der Krebsgasse, dessen Eingang im Vorbeigehen kaum auffällt, hätte im Ernstfall 1.885 Menschen in zehn Metern Tiefe auf zwei Etagen Schutz vor radioaktiver Strahlung sowie chemischen und biologischen Kampfstoffen geboten.


Technikraum
Rund ein Vierteljahrhundert nach dem Ende des Kalten Krieges wirken solche Bauten ein wenig aus der Zeit gefallen. „Die Frage ist, ob solche Bunker überhaupt jemals Sinn gemacht haben“, wurde uns von unserem Führer des Fördervereins gestellt. Alle Mitglieder des Fördervereins beschäftigen sich viel mit diesen Räumen in Nürnberg. Der Verein setzt sich dafür ein, dass einer der ABC-Bunker im Stadtgebiet als eine Art Museum erhalten bleibt.

Für jüngere Menschen, die die Zeit des Kalten Krieges nicht selbst erlebt haben, könnten die Anlagen das Gefühl der ständigen unterschwelligen Bedrohung erlebbar machen, ist sich unser Führer sicher: „Im Schulunterricht erscheint diese Zeit doch sehr abstrakt – es ist ja kaum etwas passiert“. Die beklemmende Atmosphäre in diesen Räumen mache das Gefühl der Unsicherheit und die latente Angst vor einem dritten, atomar geführten Weltkrieg gut vermittelbar.

Wäre dieses Szenario jedoch eingetreten, wäre die Wirkung von Bunkeranlagen wie in der Krebsgasse überschaubar geblieben: Einem direkten oder sehr nahen Einschlag einer Atomwaffe hätten sie nicht standgehalten. Zudem hätten alle Nürnberger Bunker zusammen nur Platz für rund drei Prozent der Stadtbevölkerung geboten – bayernweit waren es sogar nur 1,3 Prozent.


Stromaggregat
„Und selbst dann hätte ein Aufenthalt im Bunker wohl nur eine Galgenfrist von 14 Tagen bedeutet“, sagt unser Führer. So lange hätte der Diesel für die zwei Notstromaggregate der Anlage gereicht. Danach hätte die Bunkerbesatzung an die Oberfläche zurückkehren müssen: „Was dann passiert wäre und was sie dort oben erwartet hätte, hätte niemand sagen können“. Nach Auskunft des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) gibt es in Deutschland keine einsatzbereiten öffentlichen Bunker für den Katastrophenfall; die rund 579 verbliebenen alten Schutzräume wurden stillgelegt und müssten reaktiviert werden, was erhebliche Kosten verursacht, da die Schutzfunktion nach dem Kalten Krieg aufgegeben wurde. Aktuell wird an neuen Konzepten gearbeitet, die auch U-Bahnhöfe, Tiefgaragen oder private Kellerräume einbeziehen, um Schutz zu bieten, während die Zivilschutzstrategie sich von der reinen Atombunker-Vorsorge hin zu Angriffen auf kritische Infrastrukturen wandelt.

Es gibt aktuell keine voll funktionsfähigen öffentlichen Schutzräume für die Bevölkerung in Deutschland. Von ehemals über 2.000 Anlagen sind noch 579 mit rund 480.000 Plätzen vorhanden, die aber nicht mehr einsatzbereit sind. Grundsätzlich könnten diese Anlagen wiederhergestellt werden, aber der Aufwand für die verschiedenen Schutzlevel (z.B. Trümmer-, Splitter-, Atom-Schutz) ist hoch und teuer. Viele Bunker wurden nach 2007 verkauft oder umgebaut, zum Beispiel zu Wohnraum oder Rechenzentren. Die Entscheidung zur Aufgabe der funktionalen Erhaltung der Schutzräume fiel 2007, da die unmittelbare Bedrohung durch Atomwaffen als gering eingeschätzt wurde. Seit dem Krieg in der Ukraine wird die Situation neu bewertet, mit Fokus auf Drohnen- und Raketenangriffe auf kritische Infrastruktur. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) entwickelt Konzepte, um auch andere Orte wie Tiefgaragen oder U-Bahnhöfe als Schutzräume zu nutzen und diese digital zugänglich zu machen. Da es keine öffentlichen Schutzräume gibt, müssen Bürger selbst für Notfälle vorsorgen, etwa durch den Ausbau von Kellern oder die Vorbereitung für Notunterkünfte. Das BBK bietet online Empfehlungen zur privaten Notfallvorsorge an.

Im Gegensatz dazu steht in anderen europäischen Ländern, wie z.B. Albanien, Schweiz oder Finnland für jeden Bewohner mindestens ein Bunkerplatz zur Verfügung. Nachdem wir von unserem Führer mit vielen Informationen dieser Art versorgt wurden, fand dann natürlich auch noch die eigentliche Besichtigung des Bunkers statt. Zu sehen war als erstes die druckfeste, hydraulisch betätigte und fern steuerbare Eingangstür der Anlage. Als nächstes wurden wir in die Aufenthaltsräume geführt. Die Betten bestanden aus drei übereinander angeordneten Pritschen, dazu gab es noch Sitzmöglichkeiten. Da nicht für alle 1900 Personen Schlafpritschen oder Stühle zur Verfügung standen, wären diese nach einem organisierten und geordneten Plan stundenweise vergeben worden. Einen nicht unerheblichen Teil der ganzen Anlage nahm natürlich die Technik ein. Angefangen bei den zwei Dieselaggregaten über die Luftfilteranlagen, der Stromversorgungszentrale, Videoüberwachung der drei Ein- und Ausgänge bekamen wie alles zu sehen und erklärt.


Betten

Waschbecken

Toiletten
Zum Abschluss der Führung bekamen wir auch noch die Sanitäranlagen sowie die Küche und die Essensausgabe zu sehen, was bei den Teilnehmern ungläubiges Erstaunen zum Teil Entsetzen auslöste.
Wie schon die letzte Führung durch den Kunstbunker in Nürnberg war auch diese wieder ein voller Erfolg und wurde von allen Teilnehmern sehr gelobt.

Im Anschluss an jede Führung besuchen alle Teilnehmer traditionell immer ein in der Nähe befindliches Gasthaus in der Innenstadt. Dieses mal fiel die Wahl auf das Restaurant „Estragon“ in der Jacobstraße 19. Alle Teilnehmer lobten das Essensangebot und den Geschmack der Speisen.


©2026‹rainer@treveri.de
293470 Besucher seit 25.01.2001, 20 heute, 34 gestern
dotforward webhosting Get Firefox - XHTML 1.1 - CSS